Logo
Navigation überspringen
    progress
    Prev Next

    bürgerliches Engagement

    Wershofen gestern und heute - Altes bewahren

    Eine überaus gelungene Heimat-Ausstellung

    Was hat die Menschen bewegt, wie haben sie gelebt? Wie sah der Alltag aus, die Arbeitswelt, die Einrichtung in den Wohnungen? Wie wurden Feste gefeiert? Die Vergangenheit ist lebendig, eine Ausstellung im alten Pfarrhaus in Wershofen vermittelte einen authentischen Überblick über das Leben auf dem Lande in all seinen Facetten. Das Alte für die nachfolgenden Generationen zu bewahren war Anliegen der Ausstellung, die von etwa zwei Dutzend engagierten Bürgerinnen und Bürgern zusammengetragen worden war.

    Umso größer war die Freude, dass die aufwändige Arbeit von den zahlreichen Besuchern auch sehr gut angenommen wurde. Bereits bei der Eröffnung der Ausstellung am Pfingstsonntag war das Interesse erkennbar hoch, gab es lebhafte Gespräche, tauchten vielfältige Erinnerungen an alte Zeiten auf. Manch einer erinnerte sich an die alten Gerätschaften, an Haushaltsgegenstände und handwerkliche Werkzeuge, an landwirtschaftliche Geräte, an viele liebenswerte Dinge, die heute teils nicht mehr geläufig sind. Kaum einer von den jüngeren Betrachtern kennt noch eine Kaffeekanne mit Tropfenfänger oder ein Radio vom Typ Deutscher Kleinempfänger geschweige denn alte Maßeinheiten für Getreide, wie den Scheffel, eine je nach Region unterschiedliche Maßeinheit.

    „So ähnlich sah auch unsere Sonntagnachmittags-Kaffeetafel bei Oma aus“, erinnerten sich manche. Und ein altes Telefon mit Wählscheibe und Hörergabel ist für die Älteren ein Begriff, junge Menschen staunen nur über so ein „Ungetüm von Smartphone“, wie es scherzhaft eine junge Dame nannte. Erstaunlich viele gut erhaltene Fotos konnten zusammengestellt werden, sie geben einen Überblick über das Leben im Ort, über das Leben vormaliger Generationen. Und zeigen auch wie interessiert die Bürgerinnen und  Bürger am Thema sind. Manch einer hat sich die Mühe gemacht gründlich im Keller oder auf dem Speicher Ausschau zu halten, wusste gar nicht mehr, dass solch ein „Schatz“ noch im Hause war. Ein altes Grammophon rief Erinnerungen wach, aufgelegt war eine alte Polydor-Aufnahme von Lale Andersen „Blaue Nacht am Hafen“. Die Präsentation der Exponate verrät viel Geschick und Kenntnis der Zusammenhänge, dies wurde mehrfach anerkennend hervorgehoben. Viel fachliches Wissen ist bei vielen älteren Bürgern noch vorhanden, es wird gerne an Jüngere weitergegeben.

    „Einfach toll, dass Ihr Euch so engagiert habt“, dankte Jürgen Schwarzmann begeistert, er ist gemeinsam mit dem Dekanat RheinAhrEifel Initiator von „Wershofen gestern und heute“. Mit dem Team des Generationenbüros, mit Unterstützung der Verbandsgemeinde und der Ortsgemeinde, der Kirche und zahlreicher Vereine ist die überaus sehenswerte Revue entstanden. Der Erfolg war alle Mühe wert. Und es kam sogar der Gedanke ins Spiel, ob man nicht sogar ein regelrechtes Heimatmuseum einrichten könnte. Interesse scheint sehr wohl zu bestehen, passende Gegenstände sind vorhanden, die Finanzierung könnte durch Fördergelder und Spenden sowie ehrenamtliche Arbeit erfolgen. Ein Zukunftstraum? Vielleicht kann er eines Tages verwirklicht werden, schließlich: „Man muß das Eisen schmieden, solange es heiß ist …“. 

    Nicht zuletzt sind es gelegentlich wehmütige Erinnerungen an die alte Zeit, vielleicht die Sehnsucht nach zurückliegender familiärer Geborgenheit, die mit dem einen oder anderen Exponat verbunden sein mag. „So war es bei uns auch, ich erinnere mich noch genau, wenn die Oma in der Küche arbeitete und der Opa zur Feldarbeit ging …“, ein Gefühl von Heimat und Wir-Gefühl kommt auf, wie mancher Besucher gerne zugibt. „Oh, meine Heimat“ hieß denn auch ein Vortrag von Dipl. Psych. Werner Hübner im Pfarrheim.

    Nicht nur die Photos, auch alte Schriften und Unterlagen riefen Erinnerungen wach, gaben dem heimatkundlich Interessierten Anreiz zu weiteren Nachforschungen. Selbst alte Wetteraufzeichnungen gab es zu sehen.

    Beim Sichten der Bilder gab es immer wieder erfreute Ausrufe der Betrachter, wenn die Großeltern, eine Tante oder vielleicht ein ehemaliger Lehrer auf einem Bild identifiziert werden konnten. Und schon rankte sich das Gespräch um einen  Menschen, der in Wershofen gelebt hat, sei es als Respektsperson, sei es als Original oder einfach als ein liebenswürdiger Mensch mit all seinen Vorzügen, seinen Schwächen, seinen Schrulligkeiten. „Wenn man einmal auf der richtigen Fährte ist, kommen viele Erinnerungen, da forscht man schon aus Neugier weiter“, freute sich eine ältere Dame, die seit Jahren  nicht mehr in Wershofen wohnt, aber Verbundenheit zum Ort hält.

    Große Freude beim Anblick einer lange nicht mehr gesehenen Waage aus dem ehemaligen Kolonialwarengeschäft oder beim Betrachten sakraler Gegenstände wie eines alten Tabernakels oder des schon vom Zahn der Zeit angenagten Messgewandes eines Pfarrers. Die Themenbereiche waren in jeweils eigenen Räumen im großzügig gebauten Pfarrhaus gut gegliedert. Und wer nahm nicht gerne nochmal Platz auf der alten Schulbank, schaute ins Tintenfass oder rätselte über das Gekrickel auf dem Holz?

    Auch dem Krieg war ein Kapitel gewidmet, zu sehen waren die Totenmeldungen von Gefallenen. Das Leid, dass seinerzeit entstand, war allgegenwärtig. Ärmliche Wohnverhältnisse der Nachkriegszeit waren dokumentiert.  Erstaunt nahm mancher eine alte Feldpost wahr. Es war im Prinzip eine Schallplatte, sie wurde  vor Ort besprochen und konnte in die Heimat expediert werden. Ob sie die Hoffnung auf einen Heimaturlaub brachte, ob Trost oder leider traurige Gewissheit, es war eine Möglichkeit der Kommunikation zwischen den Vätern an der Front und der Familie und den Lieben zuhause.

    Bei der Eröffnung am Pfingstsonntag waren der Erste Kreisbeigeordnete Horst Gies MdL, Verbandsgemeindebürgermeister Guido Nisius, Ortsbürgermeister Robert Zawada, Pfarrer Dr. Rainer Justen sowie Vertreter der hiesigen Vereine und Einrichtungen anwesend. Musikalisch umrahmten Gertrud Heckmann und Ewald Holzem die Eröffnungsveranstaltung. Betont wurde u.a. die Einmaligkeit einer solchen Ausstellung in der Verbandsgemeinde Adenau. Angeregt wurde, Ähnliches in anderen Gemeinden zu veranstalten, um Leben und Brauchtum in der Region zu dokumentieren und für die Zukunft zu bewahren. 

    Die Grundidee stammte aus der Aktion „Familiendorf“, die vor zwei Jahren in Wershofen große Beachtung fand. Die gute Resonanz und Medienwirksamkeit war Anlaß für eine fleißige Ideenschmiede „Arbeitsgruppe Altes bewahren“ sich in so eindrucksvoller und nachhaltiger Weise zu engagieren.

    Ansprechpartner vor Ort für die Arbeitsgruppe waren Siegfried Retzmann (tel.: 02694 – 930022) und Werner Nett (tel.: 01694  - 911899). Unterstützt wurde „Wershofen – gestern und heute“ von Banken und die Pfarrgemeinde hatte freundlicherweise das leerstehende Pfarrhaus ohne Berechnung zur Verfügung gestellt.

    Den Rahmen der Ausstellung bereicherte eine Mundarterzählungen mit Helga Verhoven. Begeisterung riefen die spannenden Anekdoten („Ech kumm jrad op blöd Jedanke. Küste mot?“) hervor - hier wurde gar eine Wiederholung angeregt. Eine Filmvorführung von Otto Betzner zum früheren Karnevalsgeschehen im Ort,  himmlische, zumindest kirchliche Geschichten mit Jürgen Schiffer, ein Bilderabend-Zeltlager mit Udo Wirz und zum Abschluß die Aktion "ein Abend mit Essen wie früher", gestaltet von der rührigen Gruppe „Vergessene Generation“ aus Adenau,  bereicherten den heimatgeschichtlichen Rekurs.

    Bilder: Werner Dreschers



    Zurück zur Übersicht
    Diese Website nutzt Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Indem Sie diese Website nutzen, erklären Sie sich mit dieser Verwendung einverstanden. Informationen zum Datenschutz
    OK